Regulatorik-Mapping · MRIS 2.0 · Implementation Guides · MRIS.bd

Härtung gegen KI-Angriffe und Regulierung: NIS2, DORA, CRA und KI-Verordnung

Welche Mythos-Härtungs-Controls Anforderungen aus NIS2 und der NIS2-Durchführungsverordnung, DORA, dem Cyber Resilience Act und der KI-Verordnung berühren, und wie zwölf Kernthemen der Informationssicherheit in ISO 27002, C5:2026, NIST CSF, DORA, CRA und NIS2 verankert sind.

Härtung als Rechtspflicht

Die regulatorische Einbettung sollte transparent gemacht werden. Mythos-Härtung ist in erheblichen Teilen eine Rechtspflicht, nicht nur Best Practice – abhängig jedoch von Sektor und Adressatenkreis. Für CRA-pflichtige Software-Hersteller, DORA-regulierte Finanzinstitute und NIS2-DVO-Adressaten (bestimmte Digitalanbieter, siehe Kap. 3.3) gilt sie unmittelbar; für andere NIS2-Entities ist die jeweilige nationale Umsetzung maßgeblich.

Die Übernahme erzeugt keine Compliance-Pflicht, weil die MHC keine normative Basis im ISO-27001-Sinne haben. Sie dokumentiert die bewusste Auseinandersetzung mit der Mythos-Bedrohungslage und gibt internen und externen Prüfern eine nachvollziehbare Grundlage. Für Organisationen, die einer Regulierung unterliegen, die einen MHC-Inhalt bereits verlangt, deckt sich die Übernahme mit einer bestehenden Pflicht. Das gilt allerdings nur im jeweiligen Anwendungsbereich: MHC-12 entspricht den TLPT-Anforderungen für diejenigen DORA-regulierten Finanzunternehmen, die gemäß Art. 26 Abs. 8 für TLPT identifiziert wurden – nicht für alle DORA-Adressaten. MHC-11 operationalisiert die Anforderungen aus NIS2 und der Durchführungsverordnung an Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung; ein SOAR-System oder automatisiertes Tier-1-Containment wird dort nicht pauschal vorgeschrieben.

Regulatorische Bezüge je MHC

Bezüge aus den Implementation Guides (Abschnitt „Berührte Standards“, ohne Erfüllungsanspruch). MHC ohne Bezug zu NIS2, DORA, CRA oder KI-Verordnung sind nicht aufgeführt; ihre Grundlage liegt etwa in BSI C5:2026, NIST oder OWASP.

MHCNIS2 / NIS2-DVODORACRAKI-VO
MHC-02 SBOM und Build-ProvenanceNIS2-DVO Nr. 5DORA Art. 28CRA Annex I (SBOM-Pflicht für Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen–
MHC-03 Phishing-resistente MFANIS2-DVO Nr. 11.6 und Nr. 11.7, für privilegierte Konten zusätzlich Nr. 11.3.2 Buchst. a–––
MHC-05 Verhaltensbasierte DetectionNIS2-DVO Nr. 3.2DORA Art. 10––
MHC-08 Unveränderliche BackupsNIS2-DVO Nr. 4.1DORA Art. 12––
MHC-09 AI-gestütztes Security-Testing––CRA Annex I–
MHC-10 Continuous Control MonitoringNIS2-DVO Nr. 2.2DORA Art. 6(5)––
MHC-11 SOAR und Tier-1-AutomationNIS2-DVO Nr. 3.5DORA Art. 17––
MHC-12 Threat-Led Penetration TestingNIS2-DVO Nr. 3.5.5DORA Art. 26/27 mit TLPT-RTS––
MHC-13 AI-Agent-Governance–––Art. 3, 6, 12, 13, 14, 15, 19, 25, 26, 50 (über MRIS.bd, siehe unten)
MHC-14 Unabhängige Verifikation von Lieferantennachweisen–DORA Art. 30(3)––

Die Nummern der NIS2-DVO stammen aus der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2690, die nur für bestimmte Digitalanbieter gilt. Für andere NIS2-Adressaten ist die nationale Umsetzung maßgeblich.

KI-Verordnung: KI-Agenten im IT-Grundschutz

Die Bausteinfamilie MRIS.bd ordnet einzelnen Anforderungen informativ Vorschriften der Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung) in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744 zu. Die Zuordnung ist keine Anforderung; maßgeblich ist die KI-Verordnung selbst.

MRIS.bdAnforderungMHCKI-VO (Rolle) – Anwendungsfall
MRIS.bd.1.A6Geregelter Einsatz von KI-AgentenMHC-13Art. 3 Nr. 3 i. V. m. Nr. 11 (Anbieter); Art. 3 Nr. 4 (Betreiber); Art. 6, Art. 50 (beide) – alle KI-Systeme. Aus Rolle und Einstufung folgen Rechtspflichten, die keine Anforderungen dieser Bausteinfamilie sind, etwa die technische Dokumentation eines Hochrisiko-KI-Systems durch den Anbieter (Art. 11 i. V. m. Anhang IV); Umsetzung über ORP.5.
Art. 25 Abs. 1 (Betreiber) – Hochrisiko-KI-System
Art. 26 Abs. 2 (Betreiber) – Hochrisiko-KI-System
MRIS.bd.2.4.A2Protokollierung der Aktionen des KI-AgentenMHC-13Art. 12 Abs. 1 (Anbieter) – Hochrisiko-KI-System
Art. 19 Abs. 1 (Anbieter); Art. 26 Abs. 6 (Betreiber) – Hochrisiko-KI-System. Aufbewahrung mindestens sechs Monate
MRIS.bd.2.4.A3Sicherstellung der menschlichen Kontrolle über den KI-AgentenMHC-13Art. 14 Abs. 4 Buchst. e (Anbieter); Art. 26 Abs. 2 (Betreiber) – Hochrisiko-KI-System
Art. 14 Abs. 4 Buchst. d (Anbieter); Art. 26 Abs. 2 (Betreiber) – Hochrisiko-KI-System
MRIS.bd.2.4.A5Prüfung der Agentensteuerung vor der ProduktivsetzungMHC-13Art. 15 Abs. 5 (Anbieter) – Hochrisiko-KI-System. Wer ein KI-System entwickelt und unter eigenem Namen zum Eigengebrauch in Betrieb nimmt, ist Anbieter (Art. 3 Nr. 3 i. V. m. Nr. 11).
Art. 26 Abs. 1 i. V. m. Art. 13 (Betreiber) – Hochrisiko-KI-System
Art. 15 Abs. 5 (Anbieter) – Hochrisiko-KI-System

Framework-Mapping für zwölf Kernthemen

Die folgende Tabelle fasst für zwölf zentrale Themenfelder der Informationssicherheit zusammen, wie die primären Frameworks sie jeweils adressieren. Sie ist Orientierung, nicht vollständiges Mapping.

ThemenfeldISO 27002C5:2026NIST CSFDORACRANIS2-DVO
Asset-ManagementA.5.9, A.5.12AM-02, AM-03, AM-04, AM-09ID.AMArt. 8Annex INr. 12
Identität und ZugriffA.5.15, A.5.16, A.8.2IAM-01, IAM-06, IAM-08PR.AAArt. 9Annex INr. 11
KryptografieA.8.24CRY-01 bis CRY-19PR.DSArt. 9(4)(e)Annex I IINr. 9
Logging und MonitoringA.8.15, A.8.16OPS-10 bis OPS-17DE.CMArt. 10-Nr. 3.2
Incident ResponseA.5.24, A.5.26SIM-01 bis SIM-06RS.Art. 17, 19-Nr. 3.1 bis 3.6
Business ContinuityA.5.29, A.5.30, A.8.13BCM-01 bis BCM-04, OPS-06 bis OPS-09RC.Art. 11, 12-Nr. 4
Supply ChainA.5.19 bis A.5.23SSO-01 bis SSO-08, DEV-13GV.SCArt. 28-30Annex I IINr. 5
EntwicklungA.8.25 bis A.8.29DEV-01 bis DEV-15PR.IRArt. 8(3)Annex I IINr. 6
Physische SicherheitA.7.1 bis A.7.14PS-01 bis PS-08PR.IRArt. 9(4)-Nr. 13
RisikomanagementA.5.1 bis A.5.8OIS-07, OIS-08, OIS-09GV.RM, ID.RAArt. 6, 7-Nr. 2
ComplianceA.5.31 bis A.5.36COM-01 bis COM-04GV.OCArt. 6(5)Art. 13, 14Nr. 2.2, 2.3
Cloud-NutzungA.5.23GC-01 bis GC-06, OPS-30 bis OPS-35GV.SC-07Art. 28-Nr. 5

Leere Zellen (-) bedeuten, dass das Framework für das jeweilige Themenfeld keine eigene spezifische Anforderung formuliert. Die NIST-CSF-Spalte nennt die jeweiligen Kategorien aus CSF 2.0; die konkrete Umsetzung erfolgt über SP 800-53.

Hinweis zum Geltungsbereich der NIS2-DVO: Die in der Spalte „NIS2-DVO" zitierten Nummern entstammen der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2690, die laut ihrem Artikel 1 ausschließlich für bestimmte Digitalanbieter gilt (siehe Kap. 3.3). Für andere NIS2-Adressaten sind die Meldefristen aus der NIS2-Richtlinie Art. 23 Abs. 4 in Verbindung mit der jeweiligen nationalen Umsetzung maßgeblich.

Quelle: MRIS for ISO/IEC 27001, Fassung 2.0 (PDF), CC BY-SA 4.0. MRIS Implementation Guide (ISO/IEC 27001), Fassung 2.0 (PDF), CC BY-SA 4.0. MRIS.bd 2.0 (YAML), CC BY-SA 4.0. Kapitelverweise im Text beziehen sich auf die jeweilige PDF-Fassung.