Begriffe · MRIS 2.0
Glossar
Die zentralen Begriffe von MRIS: die vier Einstufungen standfest, teilweise degradiert, reine Reibung und nicht betroffen, die Bewertungskriterien und die Fachbegriffe der Härtungsmaßnahmen.
Begriffe von A bis Z
- Aggregationsresistenz
- Eigenschaft eines Controls, auch dann zu greifen, wenn ein Angriff in viele einzeln legitim erscheinende Mikroschritte zerlegt wird. Eines der vier Bewertungskriterien (Kap. 3.2).
- AI – Artificial Intelligence
- Im deutschen Sprachgebrauch auch „KI". Dieses Werk verwendet durchgängig „AI", um an die MHC-Bezeichnungen und die zitierten Frameworks anzuschließen.
- Angreifergeduld
- Bewertungskriterium: Beruht die Schutzwirkung darauf, dass ein Angriff für einen Gegner zu mühsam ist? Unter Mythos strukturell geschwächt.
- Crypto-Agility
- Fähigkeit eines Systems, kryptografische Mechanismen kurzfristig zu ändern, etwa bei Kompromittierung eines Algorithmus oder bei PQC-Migration.
- Fähigkeitsentkopplung
- Bewertungskriterium: Hängt die Likelihood-Annahme von einer historischen Korrelation zwischen Akteur und Fähigkeit ab, die durch Mythos aufgehoben wurde?
- FIDO2 / WebAuthn
- Authentisierungsstandards der FIDO-Alliance für phishing-resistente MFA. Verankern die Authentisierung kryptografisch an der Origin-Domain.
- Frontier AI
- Systeme an der Leistungsgrenze der KI-Entwicklung. In der öffentlichen Diskussion heißen Systeme der Fähigkeitsklasse, die MRIS als Mythos bezeichnet, Frontier AI oder agentische KI.
- MHC – Mythos-Härtungs-Control
- In diesem Schnellheft eingeführte Kategorie eines Zusatz-Controls, das eine Mythos-relevante Wirksamkeitslücke schließt, die die ISO 27002:2022 nur implizit abdeckt. Dreizehn MHC in Kapitel 9.
- MRIS – Mythos-resistente Informationssicherheit
- „MRIS" (Mythos-resistente Informationssicherheit) bezeichnet das hier vorgestellte, unabhängige Rahmenwerk; das vorliegende Schnellheft ist dessen Referenzfassung. Wo im Folgenden von „MRIS" die Rede ist, ist stets das Rahmenwerk gemeint, nicht dieses einzelne Dokument.
- Mythos
- In diesem Schnellheft Klassenbegriff: agentische Frontier-Modelle mit autonomer Schwachstellen-Entdeckung und Exploit-Kettenbau, unabhängig vom Anbieter (u. a. Claude Mythos/Fable 5, OpenAI Daybreak mit GPT-5.5-Cyber, Microsoft MDASH). Ursprünglich Bezeichnung des Referenzmodells Claude Mythos Preview (Kap. 2.5).
- PQC – Post-Quantum-Cryptography
- Kryptografische Verfahren, die gegen Angreifer mit Quantum-Computer-Fähigkeiten resistent sind. NIST-Standardisierung (ML-KEM, ML-DSA, SLH-DSA).
- Reine Reibung
- Kategorie für Controls, deren klassische bzw. verbreitete Implementierungsform gegenüber Mythos-Angreifern keine hinreichende eigenständige Schutzwirkung mehr bietet, weil sie auf begrenzter Angreiferkapazität oder auf menschlich handhabbaren Reaktionszeiten beruht. Vier Controls in Kapitel 6.
- SBOM – Software Bill of Materials
- Maschinenlesbare Liste aller Softwarekomponenten eines Artefakts. Formate: SPDX, CycloneDX. Pflicht durch CRA Annex I Teil II.
- SLSA – Supply-chain Levels for Software Artifacts
- Rahmenwerk für Build-Provenance mit vier Reifestufen. Level 3+ für kritische Build-Pfade empfohlen.
- SOAR
- Security Orchestration, Automation and Response. Plattform-Kategorie für automatisierte Incident-Response-Workflows.
- SPIFFE / SPIRE
- Standard und Referenz-Implementierung für Workload-Identitäten. Basis für Zero-Trust-Architekturen in Cloud-native-Umgebungen.
- Standfest
- Kategorie für Controls, deren Schutzwirkung aus einer harten Barriere stammt, die auch unter Mythos fortbesteht. 29 Controls in Kapitel 4.
- Store-now-decrypt-later
- Bedrohungsmodell, bei dem heute exfiltrierte verschlüsselte Daten aufbewahrt werden, um sie nach Verfügbarkeit von Quantum-Computing zu entschlüsseln.
- TEE – Trusted Execution Environment
- Hardware-gestützter, isolierter Ausführungsbereich für vertrauliche Datenverarbeitung. Basis für Confidential Computing.
- Teilweise degradiert
- Kategorie für Controls, deren Schutzwirkung erhalten bleibt, deren ursprünglich angenommene Stärke aber unter Mythos sinkt. 37 Controls in Kapitel 5.
- Threat Priority Score
- Threat Priority Score = Threat-Relevanz × Business Impact × Exposure × Control Gap, je Faktor auf einer Skala von 1 bis 5. Der Threat Priority Score ist ein qualitativer Priorisierungsindex, kein Ersatz für eine formale Risikoanalyse (ISO/IEC 27005) oder eine organisationsspezifische Risikomatrix. Die Multiplikation der Faktoren macht relative Handlungsprioritäten sichtbar; der Wert ist ordinal, nicht metrisch — ein Score von 400 ist nicht „doppelt so dringlich“ wie 200, sondern dient der Reihung und Triage.
- TLPT – Threat-Led Penetration Testing
- Penetrationstest nach realen Bedrohungsszenarien, verankert in DORA Art. 26/27 und im TIBER-EU-Framework.
- UEBA – User and Entity Behavior Analytics
- Detektionskategorie auf Basis von Verhaltens-Baselines und ML-gestützter Anomalieerkennung.
- Zeitkompression
- Bewertungskriterium: Setzt das Control menschliche Reaktionszeit in einer Kette voraus, in der der Angreifer autonom operiert?
- Zero Trust
- Architekturprinzip, nach dem keinem Akteur, keinem Gerät und keinem Netz implizit vertraut wird. Jede Transaktion wird explizit verifiziert. NIST SP 800-207.
Quelle: MRIS for ISO/IEC 27001, Fassung 2.0 (PDF), CC BY-SA 4.0. Threat Priority Score: MRIS Implementation Guide (ISO/IEC 27001), Fassung 2.0 (PDF), CC BY-SA 4.0. Kapitelverweise im Text beziehen sich auf die jeweilige PDF-Fassung.