MRIS.bd.1 · Benutzerdefinierter Baustein für den IT-Grundschutz

Die 13 MHC im IT-Grundschutz-Format

MRIS.bd.1 „Mythos-resistente Härtung des ISMS" operationalisiert die Mythos-Härtungs-Controls als Baustein mit 14 Anforderungen, Umsetzungshinweisen, maschinenlesbarer Fassung und Kreuzreferenztabelle – einmal auf den gesamten Informationsverbund anzuwenden.

Kostenlos · CC BY-NC 4.0 · Keine Registrierung · Für ISB und Grundschutz-Praktiker

Gefährdungslage

Fünf Gefährdungen, die das Kompendium in Bezug auf GenAI-beschleunigte Angriffe nicht erfasst

Seit Mitte 2026 sind agentische Frontier-KI-Modelle der „Mythos-Klasse" anbieterübergreifend verfügbar: Sie finden Schwachstellen autonom, entwickeln Exploits in Stunden und führen dokumentiert 80 bis 90 Prozent der taktischen Angriffsschritte selbstständig aus. Das IT-Grundschutz-Kompendium ist bewusst technologieneutral formuliert und bildet diese neue Fähigkeitsklasse in seinen Bausteinen noch nicht ab – viele Wirksamkeitsannahmen setzen weiterhin stillschweigend auf die begrenzte Geduld, Geschwindigkeit und Kapazität menschlicher Angreifer. Die folgenden fünf Verschiebungen benennen genau diese Lücke; MRIS.bd.1 adressiert sie mit 14 gezielten Anforderungen.

G1

Patch-Exploit-Kollaps

Zwischen Patch und funktionierendem Exploit liegen Stunden statt Tage – gestaffelte Patch-Zyklen brechen.

G2

Zeitkompression

Angriffe laufen schneller ab, als menschliche Reaktionsketten entscheiden können.

G3

Mikroschritt-Fragmentierung

Einzeln unauffällige Schritte – das Risiko materialisiert sich erst in der Aggregation.

G4

Fähigkeitsentkopplung

Nation-State-Fähigkeit steht auch Akteuren ohne eigene Spezialkapazität zur Verfügung.

G5

Ungeregelte KI-Agenten

Privilegierte Agenten ohne Inventar, Identität und Audit-Trail – eine neue Angriffsfläche, die bestehende Kataloge nicht erfassen.

Marktvergleich

Wo der IT-Grundschutz heute steht – und was MRIS.bd.1 ändert

Im MRIS-Werkvergleich (13 Security-Werke, Vier-Felder-Methodik) positioniert sich der BSI IT-Grundschutz bei hoher Umsetzungsnähe (8,4), aber begrenzter Gen-AI-Abdeckung (3,0) – umsetzungsstark, mit Gen-AI-Lücke (goldener Ring). MRIS.bd.1 überträgt die 13 MHC in genau dieses Format und schließt die Lücke dort, wo Grundschutz-Praktiker arbeiten: im Baustein.

umsetzungsstark · Gen-AI-Lückeumfassend starkbegrenzte Positionthemenstark · Umsetzung offen00224466881010Mythos-/Gen-AI-Abdeckung →Umsetzungsnähe & Auditierbarkeit →ISO/IEC 27002:2022BSI IT-GrundschutzCSA CCM v4BSI C5:2026ISO/IEC 42001:2023CIS Controls v8.1NIST CSF 2.0CISA Zero Trust MM v2.0NIST AI RMF + GenAI-ProfilMITRE ATT&CK v19 / ATLASMythos-Ready (CSA/SANS/OWASP)OWASP Agentic Top 10 (ASI)MRIS for ISO 27001 (v1.8)★ ISO/IEC 27002 + MRIS
Norm / StandardPraxis-FrameworkCommunity-WerkWissensbasisMRIS for ISO 27001Kombination (gehärtetes Framework)

Qualitatives Experten-Scoring (Skala 0–10), Methodik und Rubrik im Werk offengelegt. Bewertungsstand: Juli 2026. Vollständige Daten, Fehlerbalken und Lesart: Marktvergleich auf der ISO-Seite →

Der Baustein

14 Anforderungen. Drei Stufen. Ein Informationsverbund.

Jede Anforderung folgt dem BSI-Anforderungsformat (MUSS/SOLLTE), nennt Stufe und Zuständigkeit und ist einzeln in das Sicherheitskonzept – bei zusätzlichem Betrieb eines ISMS nach ISO/IEC 27001 in dessen Statement of Applicability – übernehmbar. Aufklappen zeigt Kernaussage, MHC-Herkunft, Annex-A-Bezug und die zugehörige Maßnahme der Umsetzungshinweise.

AnforderungStufeZuständigkeit
MRIS.bd.1.A1Neubewertung der WirksamkeitsannahmenBISB

Wirksamkeits- und Wahrscheinlichkeitsannahmen aller implementierten Maßnahmen gegen die KI-Bedrohungslage neu bewerten; Reibungs-basierte Maßnahmen identifizieren, Ergebnisse in Risikoanalyse und SoA überführen.

MHCMRIS-Neubewertung (Kap. 10.2)
ISO/IEC 27001 · Annex Agesamter Annex A
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M1
MRIS.bd.1.A2Phishing-resistente Multi-Faktor-AuthentisierungBISB

FIDO2/WebAuthn (Passkeys oder Hardware-Token) verbindlich für privilegierte, extern erreichbare und besonders schützenswerte Zugänge; SMS und einfache Push-Verfahren für neue Zugänge ausgeschlossen, Legacy mit terminiertem Ablösungsplan.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.5.17, A.8.5
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M2
MRIS.bd.1.A3Unveränderliche Backups mit WiederherstellungstestsBIT-Betrieb

Mindestens eine unveränderliche oder getrennte Sicherung je geschäftskritischem Datenbestand, eigene Backup-Zugriffswege, vierteljährliche dokumentierte Wiederherstellungstests.

ISO/IEC 27001 · Annex Avertieft A.8.13
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M3
MRIS.bd.1.A4Verhaltensbasierte Angriffserkennung mit EreigniskorrelationBISB

Erkennung über Verhaltensmuster und Ereigniskorrelation nach MITRE ATT&CK, mit gemessener und regelmäßig überprüfter Technik-Abdeckung; Threat-Hunting oder MDR-Dienst.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.8.16, A.8.12
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M4
MRIS.bd.1.A5Workload-Identitäten und identitätsbasierte ZugriffskontrolleBIT-Betrieb

Kryptografisch verifizierbare, kurzlebige Identitäten für privilegierte Workloads; Autorisierung nie allein über Netzwerklage; keine langlebigen Klartext-Geheimnisse auf kritischen Pfaden.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.5.16, A.8.20, A.8.21
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M5
MRIS.bd.1.A6Kryptografisches Inventar und Post-Quantum-StrategieBISB

Vollständiges Krypto-Inventar; bei langlebig vertraulichen Daten dokumentierte Migrationsstrategie zu quantensicheren Verfahren, im Übergang hybrid.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.8.24
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M6
MRIS.bd.1.A7Geregelter Einsatz von KI-AgentenBISB

Inventar aller produktiven KI-Agenten; Behandlung als privilegierte Systeme mit eigener technischer Identität, lückenloser personenzuordenbarer Protokollierung, benannter Abschaltverantwortung, Freigabepflicht für irreversible Aktionen und Allow-List für Komponenten.

ISO/IEC 27001 · Annex Aerweitert A.5.9, A.5.16, A.8.27
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M7
MRIS.bd.1.A8SBOM und Build-ProvenanceSEntwickler

Automatische Software-Stücklisten je Build inklusive transitiver Abhängigkeiten; Betroffenheit neuer Schwachstellen binnen 24 Stunden ermittelbar; Build-Provenance für kritische Artefakte.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.5.21, A.8.30
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M8
MRIS.bd.1.A9Automatisierte Sicherheitstests in der PipelineSEntwickler

SAST, DAST und SCA automatisiert bei jeder Änderung; schwere Funde blockieren den Merge; KI-generierter Code als eigene Risikokategorie; KEV-Patches für exponierte Systeme unter 24 Stunden.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.8.29, A.8.25
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M9
MRIS.bd.1.A10Automatisierte Vorfallsreaktion mit abgesicherten PlaybooksSISB

Vordefinierte Playbooks dämmen eindeutige Vorfälle in Minuten ein; menschliche Freigabe bei großem Schadensradius; die Automatisierungsschicht selbst wird gehärtet.

ISO/IEC 27001 · Annex Aergänzt A.5.24–A.5.26
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M10
MRIS.bd.1.A11Kontinuierliche automatisierte WirksamkeitsprüfungSISB

Die im Sicherheitskonzept bzw. Statement of Applicability geführten Maßnahmen laufend automatisiert gegen Soll-Zustände prüfen (Policy-as-Code); Abweichungen lösen eine definierte Reaktion aus, der geprüfte Anteil wird gemessen und erhöht.

ISO/IEC 27001 · Annex Astützt A.5.35, A.5.36
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M11
MRIS.bd.1.A12Signierte Container-Images und geschützte AusführungsumgebungenHIT-Betrieb

Produktive Container ausschließlich aus signierten, geprüften Images kontrollierter Registries, technisch durchgesetzt; Confidential Computing mit Remote-Attestation bei besonders hohem Schutzbedarf.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.5.23, A.8.31
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M12
MRIS.bd.1.A13Nachweisbare MandantentrennungHIT-Betrieb

Daten, Netze und Rechenressourcen je Mandant getrennt, mandantenspezifische Schlüssel; die Wirksamkeit wird durch regelmäßige, möglichst automatisierte Trennungstests nachgewiesen.

ISO/IEC 27001 · Annex Aflankiert A.5.23, A.8.22
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M13
MRIS.bd.1.A14Bedrohungsgeleitete Penetrationstests mit KI-SzenarienHISB

TLPT mit KI-Szenarien – fragmentierte Ketten, parallele Multi-Vector-Angriffe, KI-Phishing inkl. Deepfake-Voice; Purple-Team zwischen den Zyklen, terminierte Behebung kritischer Funde.

ISO/IEC 27001 · Annex Aergänzt A.5.35, A.8.29
UmsetzungMaßnahme MRIS.bd.1.M14
Integration

In ein bestehendes ISMS übernehmen

Übernahme ins Sicherheitskonzept

Im IT-Grundschutz erfolgt die Übernahme über Modellierung und Sicherheitskonzept des Informationsverbunds – eine SoA kennt die Methodik nicht. Betreibt die Institution zusätzlich ein ISMS nach ISO/IEC 27001, ist jede Anforderung direkt in dessen Statement of Applicability übernehmbar; nicht anwendbare Anforderungen werden dort begründet ausgeschlossen.

Reihenfolge

Neubewertung (A1) vor Investitionen · Erkennung (A4) vor Reaktionsautomatisierung (A10) · Stücklisten (A8) vor Pipeline-Testing (A9) · Validierung (A14) nach der Basisumsetzung.

Reifegrade

Der Implementation Guide beschreibt je Maßnahme einen kumulativen Pfad in drei Stufen (Initial, Defined, Managed) mit Stage-Gates und Kennzahlen für die Berichterstattung.

Typische Ausschlüsse

A8/A9 bei Institutionen ohne eigene Entwicklung (Prinzip wirkt über die Beschaffung), A13 ohne mandantenfähigen Betrieb. Meldepflichten aus NIS2/DORA laufen über die Vorfallbehandlung.

Download

Vier Artefakte. Beide Sprachen. Ein Baustein.

BSI IT-Grundschutz · benutzerdefinierte Schicht MRIS.bd

MRIS.bd.1 – Mythos-resistente Härtung des ISMS

⚠ Benutzerdefinierter Baustein – nicht vom BSI geprüft, freigegeben oder zertifiziert.
BausteinPDF · v1.2 · August 2026 · CC BY-NC 4.0
UmsetzungshinweisePDF · v1.2 · August 2026 · CC BY-NC 4.0
Maschinenlesbare FassungYAML · v1.2 · August 2026 · CC BY-NC 4.0
KreuzreferenztabelleXLSX · v1.2 · August 2026 · CC BY-NC 4.0

Lizenz: CC BY-NC 4.0 · © 2026 Richard Peddi · Nutzung im Rahmen von IT-Sicherheitskonzepten nach IT-Grundschutz freigestellt.

Nutzungshinweis und Unabhängigkeit

MRIS.bd.1 ist ein benutzerdefinierter Baustein im Sinne der IT-Grundschutz-Methodik (BSI-Standard 200-2), die eigene Bausteine für nicht abgedeckte Themen ausdrücklich vorsieht – eine unabhängige, privat erstellte Arbeit (CC BY-NC 4.0, © 2026 Richard Peddi). Der Baustein wurde nicht vom BSI geprüft, freigegeben oder zertifiziert, ist kein Bestandteil des IT-Grundschutz-Kompendiums und ersetzt keine Zertifizierung. „IT-Grundschutz" und „BSI" bezeichnen Standards und Institutionen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik; MRIS steht in keiner Verbindung zum BSI. Keine Rechts- oder Zertifizierungsberatung; Anwendung in eigener Verantwortung.